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Einstiegsdroge Klappstuhl

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Kolumne in Unsere Windhunde, Deutscher Windhund Zucht- und Rennverband, November 2012 – Die Outdoor-Saison 2012 ist nun endgültig vorbei. Zeit also für ein kleines Resumée einer Autorin, die noch nie in ihrem Leben ein Campingfreund war. Sie schätzt ein festes Dach über ihrem Kopf und eine Dusche im freien Zugriff. Doch schon gegen Mitte der letzten Ausstellungsperiode begann diese Intimfeindin der Zeltplatzromantik, wie ferngesteuert Güter anzuschaffen, von denen sie niemals gedacht hätte, dass sie jemals für sie Geld ausgegeben würde.

Ein allgemein bekannter Discounter bot einen „Lifestyle-Klapp-Camping-Sessel mit Bechermulde“ an. Allein diese vollkommen idiotische Artikelbezeichnung hätte sie noch vor zwei Jahren auf immer in die Flucht getrieben. Doch an diesem Tag sagte sie sich, zum Glück steht nicht „Wellness“ ‚drauf, hievte das Sitzmöbel in die Einkaufskarre und freute sich wie Bolle über das Schnäppchen. Doch die Freude hielt nicht allzu lange an. Denn nun konnte sie zwar lässig am Ausstellungsring sitzen und ihren Kaffee in der dafür vorgesehenen Aussparung platzieren, musste aber immer hoffen, dass es trocken bleibt. Blieb es natürlich nicht. Jedes Mal wenn sie also ihren „Lifestyle-Klapp-Camping-Sessel“ bei Freunden im „Wurfzelt Base Seconds“ unterstellte, sagte sie sich, dass sie für diese Art von Freizeitgestaltung nicht geschaffen ist. Sie würde niemals in ihrem Leben etwas kaufen, was auch nur ansatzweise nach einem Zelt aussieht. Das hatte sie sich schon als Teenager geschworen.

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Als dann eines Tages in einem grossen Online-Auktionshaus einer dieser textilen Aufenthaltsräume zu einem – für Campingfeinde – akzeptablen Preis angeboten wurde, schlug sie wie selbstverständlich zu. Frauen dürfen schliesslich ihre Meinung ändern, insbesondere dann, wenn die subjektiven Umstände es dringend erforderlich machen. Nur ein Unmensch liesse zwei Whippetrüden in Wind und Regen stehen. Dass mit dem Kauf des Wurfzeltes endgültig alle Dämme gebrochen waren, verdrängte sie recht schnell und erstand gleich einen grossen, ebenfalls „Klapp“- aber ausnahmsweise nicht „Lifestyle“- Softkennel dazu. Ein Zelt im Zelt, natürlich in der guten Qualität. Denn wenn schon Gemütlichkeit unterm Polyesterhimmel nötig ist, dann bitte für alle. Auf die Idee, dass die Whippets das anders sehen könnten, kam sie erst, als sich einer von ihnen am Tage der Jahresausstellung 2012 erfolgreich durch seine Nylonhütte gefressen hatte und  – freudig aber leider absolut unzeitig – seine Runden durch den Ring drehte.

Lange, lange hatte sie erfolgreich ignoriert, dass zum Ausstellen etwas mehr an Ausrüstung nötig ist, als ein Hund und eine Showleine. Die elende Schlepperei, das Aufbauen, das Abbauen – das war immer die höchste Stufe der Abschreckung. Sie tut es trotzdem, fluchend zwar, aber immer wieder aufs Neue. Während sie dann im strömenden Regen versucht, Heringe in einen steinharten Boden zu donnern, steht sie neben sich, wie die gute, alte Lenorfrau: „Du zeltest nicht! Zelten ist Übernachten! Du schafft dir lediglich eine Infrastruktur, die für einen gewissen Komfort sorgt. Mehr nicht!“ Zur gleichen Zeit füllt der daheim gebliebene Ehemann eine Suchmaske mit dem Wort „Wohnmobil“.

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Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

6 Comments

  1. Ich habe grad irgendwie ein Déjà-vu. Nur zur Wohnmobilsuche werden wir (hoffentlich) nicht auch noch übergehen *lach*. Aber wie immer trifft der Artikel den Nagel auf den Kopf!

    in Sachen Beförderung der ganzen nicht gebrauchten Camping Utensilien gab es im Übrigen letzte Woche beim Nord-Discounter auch noch eine Sprudelkistenkarre – klappbar… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 🙂

  2. Die „Sprudelkistenkarre klappbar“ habe ich doch schon längst! 17,95 bei eben jenem Nord-Discounter. Ich hätte sie gerne noch erwähnt, doch in der UW habe ich nur begrenzt Platz. Deshalb musst sie ‚dran glauben. 😉
    Für Hallenausstellungen ist sie super, über unebene Wiesen oder gar vermatschte Wege lässt sich die voll beladenen Karre aber nur schwer buchsieren. Da schulter ich dann lieber den Krempel. 🙂
    Entspannte Grüße

  3. Ich hab Tränen gelacht:-) Danke für diesen Beitrag! Genau so war es auch bei mir, nur nicht für Ausstellungen sondern für Coursing. „Ich bin doch kein Nomade“ war meine Meinung über Klappsessel, Zelt etc. und Coursing. „Ich mach das nieeeeee!!!“ Mittlerweile haben wir unzählige Länder bereist um an Coursings teilzunehmen, sind tausende Kilometer gefahren, haben eine ganze Campingausrüstung samt Wurfzelt angeschafft und mieten uns auch bei Bedarf Wohnmobile an. Denn der Hund muss es ja bequem haben! Dass ich derzeit mit einem Wohnwagen liebäugle sei nur am Rande erwähnt:-)

  4. Na zum Glück bin ich kein Einzelschicksal! Mein liebster Gatte liebäugelt schon länger mit einem WOMO, da es auch an den Rennstrecken Europas eine gute Figur macht. Vermutlich – in ferner Zukunft – werden wir uns dann an den Wochenenden um das Ding kloppen.;-)
    Entspannte Grüße

  5. Wieder einmal hat dein Beitrag mich erfreut . Auch ich habe Tränen gelacht .
    Denn genau so denke ich , bis jetzt noch . …..Mal schauen ob es sich noch anders entwickelt .
    Das aber nur weil ich mit meinem Whippet noch nicht zur Ausstellung war . Bei meinen grossen Windis
    war es zu der Zeit , noch nicht so „Mode“ dass man all diese Dinge brauchte .
    Herzliche Grüsse
    Anne

  6. Die Regiestühle fand ich schon für die Halle sehr praktisch, nach einem mehr oder weniger ganzen Tag auf einem Holz oder Plastikstuhl fühlt man sich wie gerädert.
    Wenn man dann auch mal in sengender Sonne den ganzen Tag neben dem Ring verbracht hat schafft man sich irgendwann einen Pavillon an. Schwer, geringe Lebensdauer bei starkem Wind.
    Ich liebäugele mit dem allseits bekannten Wurfzelt, muß nur mal sehen wo man da relativ günstig fündig werden kann.
    Nach 4 Jahren Bundeswehr war mein Bedarf nach Camping mehr als bedient. Aber wenn man dann irgendwann bei fünf Vierbeinern ankommt und es deshalb immer schwerer mit einer Ferienwohnung
    wird, bekommt die bessere Hälfte, begeisterter Campingfan seit Jahren, die besseren Argumente in die Hand. Also gebrauchter Wohnwagen, für die Hunde zurecht gemacht und los.
    Urlaub ist ok, für mich war der Auslöser eher die Unabhängigkeit wenn man zu Ausstellungen fährt.
    Nun ja, jetzt haben wir es seit ein paar Jahren und es wird genutzt.
    Gruß
    Michael

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