Mami ist jetzt richtig böse? Nein, du bist nicht die Mami! Denn wärst du die Mami, dann hätten dich die Bild, der Daily Mirror und alle anderen Revolverblätter dieser Welt längst auf der Titelseite.
Außerdem wärst du eine medizinische Sensation und würdest deine Tage in diversen Laboren und nicht in meiner Aura verbringen. Ich könnte jedes Mal ausflippen, wenn eine Hundebesitzerin sagt: „Ja mein Schatz! Mami hat ein ganz feines Leckerchen für dich!“ oder „Mami ist jetzt böse!“ Ich könnte durchdrehen und alles kurz und klein schlagen. Tue ich aber nicht. Hätte meine Sozialisierung nicht die entsprechende Spuren hinterlassen, würde ich diesen Personen vermutlich meine bodenlose Verzweifelung und/oder Verachtung über ihre absurde Ausdrucksweise in ihre von Liebreiz verzerrten Mammiegesichter brüllen.
Eine Frau kann nicht die Mutter eines Hundes sein. Allein die Vorstellung macht mich irre. Ständig kommt mir dieser legendäre Song von den Ärzten in den Sinn…“Claudia hat ’nen Schäferhund und den hat sie nicht ohne Grund…“ Ich weiß, die Leute meinen es nett, wenn sie zu meinen Hunden sagen: „Mami hat euch ganz lieb. Das sieht man. Ihr seid ganz Süße und Mami geht jetzt schön mit euch spazieren!“
Mein Mann und ich haben einen Sohn, der vor ein paar Monaten seine sechzehnten Geburtstag gefeiert hat. Ich weiß also sehr genau, was es heißt, Mutter zu sein. Ich bin Mutter, aber ganz sicher nicht die von zwei Whippets. Zum Glück nicht. Doch wenn ich das der Bäckersfrau oder der Oma im Park höflich mitteile, ernte ich erst verständnislose Blicke und dann sehr verlegene Stammeleien. Sie haben sich nie Gedanken gemacht. Weder über das Wort, noch über das Kopfkino, das eine Hundebesitzerin verfolgen könnte.
Natürlich ist die Bezeichnung Mami nur im übertragenen Sinne gemeint. Dennoch ist sie für mich eine der gruseligsten Redewendugen, die die Mensch-Hund-Beziehung in den letzten Jahrhunderten hervorgebracht hat.

