Fast täglich

Von Welpenkegeln bis Teppichwürgen


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Hier herrscht Chaos und auch wieder nicht. Hudson – nun fast 16 Wochen alt – mischt auf, lernt extrem schnell und hält ausnahmslos alle in Bewegung. Doch das Gerüst innerhalb dessen sich der ganze Wirbel abspielt, ist in Stahlbeton gegossen. Denn ich versuche, klare Regeln zu setzen damit hier nicht alles aus dem Ruder läuft.

Drei Whippets zu regieren, ist für mich neu. Mono (fast 8 Jahre alt) und Danny (in diesem Monat 4 Jahre alt) sind ein eingespieltes, sehr artiges Team. Sie hören sehr gut auf mich und laufen wie die Federn an der Leine. Sie sind freundlich zu jedermann und kompatibel mit jeder erdenklichen Situation. Neuerdings turnt nun in Gestalt von Hudson ein fröhlicher, selbstbewusster und sehr extrovertierter Welpe dazwischen, der zwölf Stunden am Tag die Geduld eines jeden Rudelmitglieds auf die Probe stellt. Das machen Welpen eben so. Was geht? Was geht nicht?

Harmlos gucken kann er gut. Hudson bei einem unserer Haldenausflüge.
Harmlos gucken kann er gut. Hudson bei einem unserer Haldenausflüge.

1. Aufmerksamkeit

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Welpe viel Aufmerksamkeit braucht und auch fordert. Nein, es wird nicht auf das Kuhfell gestrullt! Wattepads kann man nicht fressen! Er braucht Einzelunterricht in Leinenführigkeit. Er braucht Extragänge um den Block, weil er die großen Runden noch nicht mitgehen kann. Während unserer Flitztouren muss er noch eine große Strecke des Weges getragen werden. Ob es ihm passt oder nicht. Er braucht Zuneigung und Zuwendung. Dennoch, er ist das letzte Glied in der Kette. Selbst wenn ich ihm viel Zeit widmen muss und auch will, dürfen die beiden erwachsenen Rüden niemals hinten an stehen. Das brächte unser schönes Gleichgewicht ins Wanken.

Mono wird immer als erster begrüßt, er bekommt als erster sein Futter. Ich rede hier von wenigen Sekunden, aber die sind mir wichtig. Dann ist Danny an der Reihe, der sich trotz des Gewusels immer bescheiden im Hintergrund hält (außer bei Begrüßungen). Allein das muss ich belohnen. Dann kommt lange nichts. Erst weit hinten ist der Zwerg dran, egal wie dreist er sich noch vorne drängt. Das fällt manchmal schwer, ist aber nötig, denn Hudson ist ein sehr lieber aber auch sehr selbstbewusster, intelligenter und willensstarker Whippet, der klare Grenzen braucht.

2. Welpenkegeln – Wer darf wen wie erziehen?

Ich bin die erste Erziehungsberichtigte. Daran rüttelt niemand. Doch zum Glück kann ich in Bezug auf das hündische Miteinander Mono sehr viel überlassen. Auch Danny macht seine Sache gut, schießt aber hin und wieder über das Ziel hinaus. Er darf den Kleinen würgen, aber bitte nicht auf Schotter. Er darf jeder Zeit mit ihm spielen, aber nicht das Haus abreißen. Mono scheint oft teilnahmslos, beobachtet jedoch sehr genau. Wird ihm das Spiel der Halbbrüder zu wild, geht er dazwischen. Wahlweise kassiert er das umkämpfte Spielzeug ein oder er trennt ganz leise, indem er einfach durch die Szenerie hindurch marschiert. Das macht er sehr gut, so dass ich niemals eingreifen muss.

Mono akzeptiert mich als unangefochtene Autorität (Es sei denn er begegnet einer läufigen Hündin, einem Eichhörnchen oder einer Katze). Danny ist ein durch und durch liebenswerter, sehr gehorsamer Hund, der an mir klebt wie Pattex. Hudson hat seinen und Monos Rang natürlich sofort einzuordnen gewusst. Das ist viel wert. Es ist interessant zu sehen, wie respektvoll ein nun 15 Wochen alter Welpen mit dem Cheffe umgeht, gleichzeitig aber die Sau bei seinem Halbbruder und Kumpel Danny rauslässt. Ebenso wie Mono legt auch Danny neuerdings dem Welpen gegenüber eine etwas schärfere Gangart ein, denn wir steuern geradewegs auf die magische Viermonatsgrenze zu. Haben wir sie demnächst überschritten, wird Mono freie Hand haben. Danny nicht.

3. Flitzen und was dazu gehört

Wenn meine zwei erwachsenen, jeweils um die 16,5 Kilo schweren Whippets mit einem Welpen von gerade mal sieben Kilo durch die Pampa bolzen, muss ich ein Auge auf sie haben. Hudson versucht mit den Großen mitzuhalten, was naturgegeben nicht klappen kann. Danny läuft Kreise um den Zwerg und fordert ihn immer wieder zum Rennen auf. Ebenso wie seine Mutter hat Hudson einen unbändigen Bewegungsdrang, er nimmt also die Aufforderung mit Freude an. Solange sie nur ihre Runden drehen, greife ich nicht ein. Es ist allerdings schon ein paar Mal vorgekommen, dass Danny Hudson aus dem vollem Lauf aufs Kreuz gelegt hat. Derart heftiges Welpenkegeln ist nicht erwünscht. Das dulde ich nicht. Der kleine weiche Körper kann das zwar hin und wieder ganz gut verpacken, die Regel sollte das aber nicht sein. Benimmt sich Danny derart daneben, kommt er sofort an die Leine. Ende! Zumindest für die nächsten fünf Minuten.

Mono hingegen verspürt auf unserer Halde nur selten die Lust zu spielen. Er ist dauerhaft im Spähmodus oder auf Mäusejagd. Da er sehr verlässlich ist, erlaube ich ihm einen großen Radius. In seiner Chefposition gibt er Hudson Sicherheit. Was tut Hudson also in seiner Neugier? Er folgt dem Chef. Ein Welpe seines Alters sollte jedoch für meinen Geschmack keinen Radius von 150 bis 200 Metern haben. Also übe ich Rückruf, Rückruf, Rückruf. Bis zum Erbrechen. Und Hudson hat tatsächlich seine lichten Momente. Durch die Finger pfeife ich ihn ran, er wuselt sich unbeirrt sogar durch ein Rudel von sieben Hunden durch und steht wie eine Eins vor mir. Nicht immer, aber immer öfter wie es so schön heißt.

Hudson sehr aufmerksam vor Jürgen mit dessen Koseilata's Rudel wir laufen waren. Ich kann mich schließlich nicht selbst fotografieren, aber so sieht das aus, wenn ich Hudson ran rufe. (Jürgen hat Kekse!)
Hudson sehr aufmerksam vor Jürgen mit dessen Koseilata’s Rudel wir laufen waren. Ich kann mich schließlich nicht selbst fotografieren, aber so sieht das aus, wenn ich Hudson ran rufe. (Jürgen hat Kekse!)

Ich lasse ihn mindestens drei Mal wieder laufen, bis ich ihn dann verhafte. Dann kommt er an die Leine oder auf den Arm. Nach einer Minute hat er kurz seine Freiheit wieder, damit er kapiert, dass die Leine nicht zwangsläufig das Ende des Spaßes ist. Anleinen, Ableinen. Auf den Arm, wieder runtersetzen. Ich habe aus meinen Fehlern mit Mr.Clark gelernt, der sehr schnell gedibbert hatte, dass die Leine das Ende des Freilaufs bedeutete und sich ihr deshalb über Monate konsequent verweigerte. Aber Mr.Clark war auch ein anderes Kaliber.

Grundsätzlich ist der Freilauf in unwegsamem Gelände für Whippetwelpen lebenswichtig. Denn wann sonst, wenn nicht früh lernen sie Bäumen, Büschen und Löchern auszuweichen. Wann sonst, wenn nicht sofort lernen sie, sich in einem Rudel zu bewegen, ohne permanent über den Haufen gerannt zu werden oder andere über den Haufen zu rennen. Sie lernen ihre Geschwindigkeit zu dosieren und vor allem lernen sie das Bremsen. Überschläge und Stürze richten im Alter von 10 bis 20 Wochen recht wenig Schaden an. Ist Hudson bald älter und schneller, kommen ihm seine Erfahrung in jeder Hinsicht zu gute. Genau deshalb lasse ich ihn auch – in kontrolliertem Rahmen – Streifzüge durchs dornige Unterholz machen.

4. Begegnungen der gleichen Art

Als Danny ein Baby war, habe ich eine eiserne Regel festgelegt: Mein Welpe kommt nur mit Hunden zusammen, von denen ich genau weiß, dass sie klar im Kopf sind. Das gleiche Programm fahre ich aktuell mit Hudson. Etwa drei Mal in der Woche darf er mit seiner Familie Gas geben. Seine Mutter Ivy, seine Halbschwester Gianna und die anderen Hündinnen mit denen er groß geworden ist, bilden neben meinen Rüden sein erweitertes Rudel. Gerade bei einem sehr selbstbewussten Hund wie Hudson ist aber auch besonders wichtig, dass er auf Fremdautoritäten triff, die ihm zur Not die Rübe zurecht setzen. Diese Hunde wähle ich sehr genau aus (Fotos oben), da sie ja auch mit den Erwachsenen kompatibel sein müssen. Mit mir komplett fremden Hunden lasse ich keinen meiner Hunde laufen. Erst recht nicht einen 15 Wochen alten Welpen.

Aber ich sehe zu, dass er mit möglichst vielen verschiedenen Rassen Kontakt hat. Bei unseren kleinen Leinenspaziergängen begegnen wir immer wieder Nachbarn und Leuten aus dem Viertel, die nette Hunde haben. Möpse, Golden Retriever, Bullterrier, Border Collies, Podencos, Rhodesian Ridgebacks, kleine Mischlinge und alles, was ich gerade kriegen kann. Heute Morgen waren es die beiden kernentspannten Samojeden, die ich seit Jahren kenne. Positive Erfahrungen sind unbezahlbar, ebenso wie die Einsicht, dass nicht jeder x-beliebige Hund ein Spielpartner ist.

Insgesamt durchleben wir mal wieder eine sehr spannende Zeit. Die Hunde und ich lernen gemeinsam viel dazu. Spaß macht das allemal, aber es ist hin wieder sehr nervenaufreibend. Doch einfach wäre langweilig.

Freie Autorin mit einem starken Hang zur Fotografie

1 Comment

  1. Vielen Dank für die unterhaltsamen und hilfreichen Geschichten von den 3 Rabauken. Ende April werden wir eine ähnliche Konstellation hier haben: Jazz (Almansor‘s Quite Right Jazz), Rüde, 11 J., Jimmy (Ohanzee vom Leineufer), Rüde, 5 J.; Jole (Qioka vom Leineufer), Rüde, 10 Wochen.
    Liebe Grüße Meg

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