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5Ds R oder 1D X Mark II ? Blöde Frage? Jain!

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Kann ich fehlende Brennweite durch extrem hohe Auflösung ausgleichen? Macht es Sinn, den Sportboliden Canon EOS 1D X Mark II mit einer Megapixelbombe namens Canon EOS 5Ds R zu vergleichen? Viele werden spontan nein sagen. Ich tue es aber trotzdem. Denn es gibt durchaus Action geladenen Situationen, in denen beide gleichermaßen ihre Features perfekt ausspielen können und dabei die jeweils andere in den Schatten stellen.

Den Schatten an sich habe ich sehr bewusst überleitend genutzt, denn ich zeige hier nur schwarz-weiß Fotos. Erstens tut die Farbe nichts zur Sache und zweitens mag ich die Monochromen sehr. Wie sich in diesem Zusammenhang die Mähr halten konnte, das schlechte Farbfotos in schwarz-weiß besser werden, bleibt mir verschlossen. Gerade die Schwarz-Weißen müssen perfekt sitzen, denn es gibt kein buntes Trallala, das vom Sujet ablenkt. Es gibt Hell und Dunkel, Licht und Schatten und fertig. (Ein paar von den farbigen Versionen gibt es bei 1300ccm.de)

Was sitzt, das sitzt

Die Definition von Sitzen ist hier natürlich eine sehr subjektive. Aber gehen wir zunächst von dem landläufigen Sitzen aus: Ich habe ein gestochen scharfes Foto von einem Pferd und seinem Reiter im vollen Lauf. 1/1000, der Autofokus der Mark II packt wie Kleister und ich verfolge den Reiter mit 14 Bildern in der Sekunde. Die kurzen Belichtungszeiten (unten und oben in den Galerien) habe ich mit dem 200er 1:2,0 gemacht, das schnell genug für diesen Zweck ist und mir zudem ein göttliche Abbildungsschärfe liefert.

Brennweite versus Auflösung

Die Mark II hält extrem kleinschrittig jede Bewegungssequenz bombensicher fest. Aber! Im speziellen Fall Polo gibt es ein großes Aber. Ein Poloplatz ist so groß wie vier Fußballfelder. Ganz anders als bei den Windhunden habe ich hier mehr Raum, als mir lieb ist. In der letzten Saison habe ich dort, also beim Polo, u.a. mit einer 400er Festbrennweite fotografiert. Doch, wie ich es mache, ich mache es falsch. Denn mit 400 Millimetern kriege ich zwar die Action auf der gegenüber liegenden Seite des Platzes, aber nicht die, die ganz nahe bei mir abläuft. Nehme ich ein 200er, wie oben, habe ich die Action im Mittelfeld, aber nicht die auf der anderen Seite und auch nicht die nahe bei mir. Die 1D X Mark II hat 20,2 Megapixel. Ich könnte die Fotos also zur Not stark beschneiden, doch das Gelbe von Ei ist diese Lösung auch nicht. Also, was tun?

Ein paar Versuche an der Startbox – mit der Canon EOS 5Ds R und dem Canon EF 50mm 1:1,2L USM

Pfiffig oder Holzweg?

Eigentlich müsste ich zwischen Pest und Cholera wählen. Nehme ich die lange oder die kürzere Brennweite? Ich kann ohnehin nicht voraussehen, wie sich das Spiel entwickeln wird und noch weniger wohin sich die Spieler samt ihrer Pferde bewegen werden. Deshalb setze ich mittlerweile aufs Warten. Ich warte, bis das Spiel zu meiner Linse passt. Und, zeitgleich setze auf die mords Auflösung der Canon EOS 5Ds R. Denn was mir in manchen Momenten an Brennweite fehlt, holen mir 50,6 Megapixel wieder rein. Ich kann in der Nachbearbeitung extreme Ausschnitte machen, ohne einen nennenswerten Qualitätsverlust zu haben. Pfiffig oder Holzweg? (In der Galerie habe ich die Pixelzahl ausgewiesen, auf die ich die Foto beschnitten habe.)

Luft Anhalten für Detailtiefe

Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Sitzt ein Mitzieher aus der 5Ds R, dann sitzt er wirklich. Die Detailtiefe ist großartig, egal wie stark ich beschneide. Das ist schon sehr beeindruckend. Allerdings ist die 5Ds R naturgegeben deutlich langsamer als die Mark II. Immerhin schafft sie vier bis fünf große RAWs in der Sekunde. Das ist, mit Bedacht eingesetzt, genug. Doch ihre gigantische Auflösung macht sie anfällig für Unschärfen. Deshalb habe ich für sie mit dem 70-200er 1:2,8L ein leichtes / leichteres Objektiv gewählt, das ich lange ruhig halten kann. Mit Luft Anhalten ist 1/40 sek. dann kein Problem.

5Ds R oder 1D X Mark II ? Es gibt keine Wahl.

Für die kurzen Belichtungszeiten, also für eine Situation in der mir ein Pferd oder ein Hund oder ein Auto mit hohem Tempo frontal entgegenkommt, ist die 5Ds R ungeeignet. Dafür ist sie eindeutig zu langsam. Meine geliebten Mitzieher, bei denen ich maximal 2 oder 3 Mal den Auslöser drücke, legt sie perfekt hin. Das allerdings nur, wenn ich genug Abstand habe. Also wenn ich mir ein recht großes Motiv – ein Pferd oder ein Auto – ganz in Ruhe zurechtlegen und langsam mitziehen kann.

Windhunde auf der Bahn wiederum sind wie Formel 1 Wagen in einer Suppenschüssel. Dort gibt es kleine Körper in extrem schneller Bewegung auf sehr engem Raum. Das packt die 5Ds R nicht mehr. Sie löst ein Mal aus, dann sind die Hunde weg. Doch das kann man dieser Kamera nicht zum Vorwurf machen, denn dafür ist sie nicht gemacht. Hier braucht es in der Tat die hohe Bildrate der 1D X Mark II damit überhaupt brauchbare Bilder entstehen. 200mm Brennweite sind dort ideal für formatfüllende Bilder. Für die ganz langen Belichtungszeiten, bei den Greyhounds etwa 1/60 sek., ist das 70-200er 1:2,8L ideal.

Canon EOS 5Ds R, Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM – beschnitten von 8688 Pixel auf 6764

Die Canon EOS 5Ds R ist ganz sicher keine Sportkamera, das heißt aber nicht, dass man sich sklavisch an ihren Beipackzettel halten muss. Sie kann noch mehr, als ich ihr ohnehin schon zugetraut habe, und das ist doch wohl eine gute Erkenntnis. Der Canon EOS 1D X Mark II bleibt der Highspeedsektor vorbehalten. Dort gehört sie hin und dort soll sich auch austoben. Eine echte Wahl zwischen den beiden gibt es nicht. Sie sind einfach zu unterschiedlich. Aber in speziellen Fällen, so wie hier beim Polo, kommen beide auf ihre Weise richtig groß raus.

Die Canon EOS 1D X Mark II und Canon EOS 5Ds R sind mir von Canon zum Testen zur Verfügung gestellt worden.

2 Kommentare

  1. extrem geile Bilder !!! egal ob mit der 5D oder der 1D – die Mitzieher sind wirklich grandios geworden und in SW wirken sie nochmals viel intensiver – – – muss ich demnächst auch mal probieren – – aber für solch starke Ergebnisse werde ich wohl lange üben müssen – Respekt für die Leistung !!!

    Gruß
    Markus

    • Hallo Markus,

      vielen Dank! Ich habe in der Tat recht lange an den Belichtungszeiten gebastelt, bis ich wusste, was geht und was nicht. Mitziehen ist auch immer sehr viel Ausprobieren. Und viel Ausschuss. 😉 Aber wenn das Foto dann sitzt, dann sitzt es richtig gut. 🙂

      Entspannte Grüße und viel Spaß beim Üben

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