Auf der britischen Insel, so meint man, gehört der Whippet wohl eher zum Straßenbild als in Deutschland. Schließlich ist Großbritannien sein Mutterland, seine Geburtsstätte, sein Heimspiel. Pustekuchen! Wir haben weder in Schottland noch im Südwesten von England einen einzigen Whippet gesehen. Vielmehr wurde Mr.Clark bestaunt wie ein Außerirdischer.
Oh, what a lovely doggy! Wie oft haben wir diesen Satz innerhalb von vierzehn Tagen gehört. Unzählige Male wohl, denn unser Whippet fiel auf.

Wir waren platt, denn in England und auch Schottland sitzen einige der renommiertesten Züchter der Welt, wenn nicht die Züchter überhaupt. Außerdem sind Windhundrennen ein dickes Geschäft, weshalb sie dort wohl auch in den Medien deutlich präsenter sein dürften als in Deutschland.
Offenbar nicht, oder zumindest nicht da, wo wir waren. An einer Autobahnraststätte in der Nähe von Oxford griff eine Frau ihrem Ehegatten ins Lenkrad und nötigte ihn anzuhalten, als sie Mr.Clark sah. Sie ließ ihre Scheibe herunter und fragte aufgeregt, von welchem Züchter wir diesen (wieder) lovely Hund hätten. Ihre Freundin hätte nämlich zwei vom Züchter XY und die wären lange nicht so schön. Da der Name des besagten Züchters mir tatsächlich ein Begriff war und ich wusste, dass seine Hunde keinesfalls erfolglose Krücken sind, konnte ich natürlich einen gewissen Stolz nicht verbergen.

Im New Harp Inn, einem besonders hübschen Pub in Herefordshire, avancierte Mr.Clark innerhalb von ein paar Tagen zum Star. Ein Mann schliff seine Frau an die Bar, wo wir standen um Getränke zu bestellen. "Schau mal Schatz, was für ein wunderschöner Hund!" Er erging sich an seiner Kopfform, seinen Augen, seiner Statur und warf dann einen fast missbilligenden Blick auf seine beiden Terrier. Die beiden kleinen Feger konnten einem fast leid tun.

Ein kleiner Junge bestand darauf, einen Sloughi oder zumindest einen Greyhound-Mischling vor sich zu haben. Er wollte partout nicht glauben, einen echten, reinrassigen Whippet in seinen Dorf getroffen zu haben. Dabei ist Mr.Clark mit 50,6 cm doch wunderbar im Maß. Nachdem er dann eher trocken erzählte, dass ein paar Tage zuvor sein Pony geklaut worden war, fragte er, ob wir Mr.Clark verkaufen wollten. Als die gesamte Familie zur Antwort sehr bestimmt mit dem Kopf schüttelte, trollte er sich enttäuscht.

In Newton Steward, Schottland, fiel ein ältere Mann über Mr.Clark her, knuddelte und herzte ihn und verkündete, er hätte seit Jahrzehnten nicht mehr so ein edles Wesen gesehen. Zumindest haben wir das so verstanden, denn selbst sehr gute Englischkenntnisse können in Schottland nicht immer weiterhelfen.
Solche und ähnliche Szenen haben wir fast täglich erlebt und wir waren jedes Mal aufs neue baff. Natürlich muss sich Mr.Clark nicht verstecken, denn er ist eher ein schöner, als ein hässlicher Vertreter seiner Rasse. Doch in Deutschland kenne ich viele sehr schöne und - am Standard gemessen - einige perfektere Hunde. Vielleicht liegt es an seiner, für nicht Windhundhalter eher ungewöhnlichen Farbe, vielleicht an den hellen Augen, vielleicht auch an der Ruhe, die er immer öfter ausstrahlt.
Wir wissen es nicht, doch wie immer ist es Geschmacksache. Das, was wir besonders schön finden, löst bei jemand anderem vielleicht einen heftigen Würgereiz aus.
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