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Die Selbsthilfegruppe „Genitals Exposed“ stellt sich vor

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Du bist nicht allein! Das beruhigt mich. Aber warum spricht genau jetzt Roy Black zu mir? Schlager seiner Kategorie verachte ich seit meiner Kindheit, doch heute passt nichts besser als seine samtene Stimme. Offenbar hat ihn mein Unterbewusstsein gegen meinen Willen gespeichert und tief verankert. Nun muss ich zugeben, dass er doch zu etwas gut war, denn wir alle sind nicht allein. Ganz im Gegenteil. Wir sind eine große Gruppe von staunenden aber willfährigen Sklaven einer ganz besonderen Spezies. Wir sind die Selbsthilfegruppe „Genitals Exposed“.

Schutz und Rettung in der Community

Oft geht mir Facebook auf den Keks. Zuviel Dummheit und Hass regieren die aktuellen Themen. Doch manchmal wachsen auf diesem weltumspannenden Nährboden wunderschöne Perlen, die nicht nur Glanz in die dunkle Hütte bringen, sondern auch Menschen mit gleichen Schicksalen zusammenführen. Menschen, die eine Community suchen, in der sie und ihre Probleme verstanden werden. In einer virtuellen Selbsthilfegruppe spricht man sich Trost, Lob und Verständnis zu.

Letzteres haben wir hier und heute auch bitter nötig, denn wir sind einer Bande von Faulenzern aufgesessen, die sich im wahrsten Wortsinn bei uns breit gemacht hat. Zumindest so breit, wie sich körperlich schmale Whippets und andere Windhunde machen können. Die sind übrigens zeitweise breiter bzw. länger, als der geneigte Windhund-Laie denken mag. Besonders, wenn man ihnen vom Leichtsinn umjubelt des Nachts das eigenen Bett freigibt.

Danny in entspannter Schlafposition auf einer recht hochpreisigen Pelzdecke, die ursprünglich, also nur ganz kurz, ausschließlich seinen menschlichen Bediensteten vorbehalten war.

„Genitals Exposed“ – Wie fand sich die Gruppe?

Aber wie kommt auf einer monströsen Plattform wie Facebook eine Community zusammen, die zugegebenermaßen ein für die Allgemeinheit verschwindend kleines Nischenproblem hat? Wie finden sich Leidensgenossen, die sich zu achtzig Prozent noch nie persönlich über den Weg gelaufen sind. Es braucht einen oder eine, der/die sich outet. So wie ich gestern. Ich postete ein Foto von unserem nunmehr drei Jahre alten Whippet Rüden Danny. Er hatte sich wie so oft auf unserer schwarzen Pelzdecke – die ursprünglich nicht für die Hunde angeschafft wurde – niedergelassen und frönte einem traumreichen aber tiefenentspannten Mittagsschlaf. Zehn Jahre lang war ich sicher, dass sich nur die Rüden dieser generell recht durchtriebenen Spezies derart entblößen und ihre primären Geschlechtsmerkmale aus purer Angabe zur Schau stellen. Jungs eben, hüben wie drüben.

Doch kurz nachdem ich das Foto veröffentlicht hatte, kamt ihr, die nun auf ewig bestehende Gruppe „Genitals Exposed“, aus allen Ecken der Nation und über die Nation hinaus. Die Windhund-Community und ihre Peripherie gaben mir im Geiste von Roy Black zu verstehen: Du bist nicht allein! Wir hier und überall schauen genau wie du Tag ein Tag aus auf die intimsten Teile unserer Hunde, die sich keineswegs schämen, sondern ihre für uns Menschen provokante Lässigkeit zur Not auch jedem Hausgast zur Schau stellen. Rüden und Hündinnen gleichermaßen. Whippet, Podi, Wolfshund, Greyhound, Terrier und Ridgeback.

Kann man das nüchtern betrachten?

Ungeachtet aller menschlichen Scham, sollten wir versuchen, dieses Phänomen nüchtern zu betrachten. Hunde, wie alle anderen Tiere, kennen kein Schamgefühl im menschlichen Sinne. Ihnen wurde nicht beigebracht, sich zu bedecken. Sie tragen keine Kleidung. Nun ja, Whippets und Greyhounds, Sloughis und Podis vielleicht, wenn es regnet. Dann kommen die Weicheier-Gene raus. Nein, ich will jetzt kein plattes Wortspiel einflechten! Das heißt diese Tiere schlafen, wie es ihnen am bequemsten ist. Murmeln exposed oder auch nicht. Vollkommen wurscht.

Schlafen sie zudem so, wie auf den vielen Fotos der Selbsthilfegruppe zu sehen, dann fühlen sie sich sicher. Sie entblößen ihre verletzlichsten Körperteile in der Gewissheit, dass ihnen hier und jetzt kein Unheil widerfahren kann. Schon Welpen (oben in der Galerie) zeigen diesen Rückenschlaf, der ganz offensichtliches großes Wohlbefinden ausdrückt. Mono kann das auch recht gut und versprüht dabei oft die Arroganz des Wissenden. Was er dann genau weiß, ist mir nie ganz klar. Aber er wird es wissen.

Mit samtener Stimme

Ich war und bin so begeistert von der Resonanz auf Dannys, seinen Charakter so vorzüglich beschreibende Harlekin-Hoden, dass ich gar nicht weiß, wie ich euch danken soll. Ich verneige mich hiermit und rufe euch im Sinne des seligen Roy Black zu: „My darling, du bist nicht allein! Komm und träume mit mir!“

Das Titelfoto ist von Gesine Knopf. Ich habe es ausgwählt, weil die Katze auf dem Sloughi einen Blick hat, als käme sie direkt aus der Hölle. 

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