Fast täglich

Die Dellen im Ego des Asphaltcowboys

Anzeige:

Es gibt Tage, an denen schäme ich mich, eine Vertreterin der Presse zu sein. Es gibt Momente, in denen ich mich bei den Gebern einer Veranstaltung dringend für ein paar Asphaltcowboys entschuldigen möchte. „Die sind nicht alle so!“ liegt mir dann auf der Zunge, aber ich verkneife mir das natürlich jedes Mal.

Seit meiner Studienzeit besuche ich Pressekonferenzen, Presseveranstaltungen, Previews, Premieren und Präsentationen. Schon früh hatte ich die Chance, berühmte Maler, Bildhauer und Fotografen persönlich kennenzulernen und mit ihnen ein paar Worte zu wechseln. Ich war immer sehr dankbar für diese Gelegenheiten und nicht selten ehrfürchtig bescheiden vor z.B. Richard Serra, Helmut Newton oder Gerhard Richter. In den letzten Jahren durfte ich mit Top-Rennfahrern Kaffee trinken, mit hoch dekorierten Designern plaudern und mich – nicht zuletzt – im klimatisierten Pressebereich von Veranstaltungen mit Weltruf erholen. Das ist nicht selbstverständlich und mir persönlich sehr viel wert.

Es gibt leider auch die Anderen

Im Rahmen dieser mittlerweile unzähligen Meetings habe ich sehr kluge, freundliche und interessante Journalisten mit spannenden Lebensläufen kennengelernt. Alt wie jung eng verbunden mit ihrer Aufgabe, enthusiatisch und vor allem kompetent. Aber es gab und gibt auch immer die Anderen. Diese Anderen kratzen eifrig am Ruf der Presse. Und das nicht nur ein bisschen, sondern gleich mit der rostigen Axt. Denn sie verhöhnen diejenigen, die einen kleinen Teil zum Gelingen eines Großen beitragen und erwarten dann noch freundliches Entgegenkommen.

Machos! Die spanischen Reiter haben im Rahmen der Equitana ihr Können gezeigt.

Sie sind immer da. Wie auch am letzten Wochenende auf der Equitana. Es sind die, die den Ordner vor dem überfüllten Parkhaus anpöbeln, weil sie zu spät sind und ihr Karre nicht unterkriegen. Sie machen den armen Mann für ihr Problem verantwortlich und werden ausfallend. Ich bin wichtig, du bist ein Wurm!

Besagter Ordner hat sich dann bei mir über die Typen von der Presse im wahrsten Sinne ausgekotzt und mir dann, – so wörtlich, weil ich ja endlich mal ne Nette bin – Einlass in das begehrte Parkhaus gewährt. Der Pöbler kreist auf der Suche nach einer Lücke vermutlich immer noch im Großraum Essen. Das nennt man wohl Karma!

Großmaul mit Delle

Niemals werde ich eine Vor-Vor-Vor-Pressebesichtigung eines unfassbar wertvollen Einzelstücks vergessen, das auf der Techno Classica in Essen gezeigt werden sollte. Der Wagen hatte beim Transport leichten Schaden genommen, was alle Beteiligten in gut gezügelte, aber doch offensichtliche Hysterie hatte ausbrechen lassen. Dieses nun leicht angedellte Juwel stand draußen am Blumenhof der Gruga. Ich machte brav meine Fotos, als ein Typ mich rüde zur Seite schubste und brüllte: „Jetzt macht mal alle Platz! Ich brauche einen Mitzieher! Fahr mal hier auf und ab. So mit 30 km/h!“ Er gängelte den Fahrer des Wagen wie einen Lakaien. Sein Ton war in jeder Hinsicht unverschämt.

Ein echtes Großmaul. Der Lamborghini Miura dient nur zur Illustration.

Ich war einerseits froh, dass ich nach seinem Stoß nicht bäuchlings auf mein Equipment gefallen war und andererseits stocksauer. Als ich mich wieder gefangen hatte, fragte ich ihn: „Wie lange wollen sie bei diesem Tempo belichten, um einen Mitzieher zu kriegen? Zwei Minuten? Das laufen ja meine Hunde im lockeren Trab?“ Er ignorierte das wütende Mädchen und winkte wichtig den Wagen in Position. Später pampte er mich vor versammelter Mannschaft lauthals an: Was willst du denn eigentlich? Ich grinste nur und sagte: „Jeder, wie er kann. Und jetzt nehmen sie ihre Kinderknipse und gehen mir aus der Sonne!“ Wie man in den Wald ruft, gell!

Asphaltcowboys an Heringssalat

Typen dieses Kalibers gibt es überall. Solche, die schon vor der Presskonferenz den fünften Wein intus haben und dann während des Vortrags an ihrem Tisch einpennen. Es gibt solche, die sich durch das Buffet fräsen, als gäbe es bei ihnen zu Hause nie etwas zu Essen. Sie nötigen Kellner im Despotenton zackzack den sechsten Wein zu bringen, nehmen jede Annehmlichkeit in Kauf, schießen dann zwei lapidare Fotos für irgendeine Gazette und sind wieder weg. Ist das nur die blöde Routine? Ist das Frust? Ist das Arroganz? Ich wüsste es gern.

Wie schmerzfrei muss man sein, die Häppchen tragenden Kellner direkt vor der Küche abzupassen, sich gleich fünf Teller vom Tablett zu bunkern und einen nach dem anderen gierig leer zu machen. Wie unreflektiert ist ein Mensch, der mit einem aus der Hose hängendem Hemd und dem aus dem Rübezahlbart tropfenden Heringssalat Sylter Lust den Lauten macht und dann noch ernst genommen werden will? Ganz zu schweigen vom dauerfeuernden Schmierlapp, der die Messehostessen konsequent mit mach ma deine Bluse weiter auf begrüßt. Alles schon erlebt.

Blogger mit rudimentärem Wortschatz?

Witzigerweise sind es zu achtzig Prozent Vertreter der alt eingesessenen Printmedien, die sich daneben benehmen, die pöbeln, die rempeln, die sich wie die sprichwörtliche offene Hose benehmen. Der Konkurrenzkampf muss erdrückend sein. Es wird wohl auch an letzterem liegen, dass genau jene nimmer müde auf die Blogger schimpfen, die ihrer Meinung nach weder schreiben noch fotografieren können. Ich will nicht einseitig sein. Es gibt auch zahlreiche Blogger, die keine Grenzen kennen, die vollkommen überzogene Ansprüche stellen, aber mit dem Wort an sich nur rudimentär umgehen können. Doch die verachtende Arroganz gegenüber z.B. Mitarbeitern eines Veranstalters verpestet in der Regel aus dem oben genannten Lager die Luft.

Vielleicht sind wir Blogger einfach noch nicht so satt und so gelangweilt. Vielleicht wissen wir Einladungen zu Presseevents tatsächlich noch zu schätzen und freuen uns sogar darauf. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir uns aussuchen können, welche wir wahrnehmen und welche nicht. Schließlich schickt uns keine Redaktion. Wir entscheiden ganz allein. Wir verantworten unser Tun allein und haben tatsächlich Spaß daran.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.