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Test: 1+ mit * für die Canon EOS 5D Mark IV

Die lang und heiß ersehnte Nachfolgerin der Canon 5D Mark III war schon ein Hype, bevor überhaupt irgendjemand mit ihr auch nur ein einziges Bild geschossen hatte. Am Canon Stand auf der Photokina 2016 prügelte man sich förmlich darum, sie ein einziges Mal in den Händen halten zu dürfen. Magazine überschlugen sich mit die Canon EOS 5D Mark IV wird sein, soll sein, mit besser, schneller, mega und so weiter.

Irgendwie verständlich, denn die Mark III war über vier Jahre eine feste Größe in der Mannschaft der Vollformatkameras. Ihre Ablösung ist also nur auf der Basis von sehr guten Gründen bzw. bahnbrechenden Verbesserungen zu rechtfertigen. Doch Himmel was hat sich die geneigte Community über den angekündigten Preis aufgeregt! 4000,- Euro? Das ist teuer! Tschuldigung, jetzt mal zurückgedacht: Die Mark III hatte 2012 einen Einführungspreis rund 3300,- Euro. So unglaublich viel mehr ist das nicht in Anbetracht des Mehrs, das man bekommt.

Was gibt es mehr?

Aber was gibt es denn nun mehr? Viel, aber hier ein paar herausragende Features: Zunächst einmal gibt es sehr schöne 30,4 Megapixel, die die Mark IV exakt zwischen die 1D X Mark II (20,2) und die 5Ds (50,6) einsortieren. Sie filmt in 4K und erlaubt sogar, aus dem Film Einzelbilder intern auszuwählen und direkt auf der Speicherkarte abzulegen. Für viele von großer Bedeutung ist wohl auch der Touchscreen, der recht flottes Ein- und Umstellen ermöglicht. Für mich persönlich ist das nicht unbedingt ein Mehrwert, andere wiederum schwören auf dieses Feature. Ein USB 3.0 Anschluss und WIFI optimieren den Workflow.

Kein Voodoo – Dual Pixel RAWs

Der Knaller der Mark IV sind aber wohl die Dual Pixel RAWs, in denen man nachträglich den Schärfepunkt und das Bokeh ein wenig verlagern kann. Mir kam das im ersten Moment wie Voodoo vor, ist es aber nicht. Es werden lediglich zwei Bilder aus ganz leicht unterschiedlichen Bildwinkeln in einer Datei abgelegt. So kann man in der Nachbearbeitung z.B. einen falsch liegen Schärfepunkt verschieben. Für Makros ist das mit Sicherheit sehr interessant. Doch den, der jetzt jubelt und meint damit einen total verwutzten Actionschuss retten zu können, den muss ich hart einbremsen. An den Dual Pixel RAWS kann man sehr feine Feineinstellungen machen, aber keine groben Schnitzer ausbügeln.

Das wird natürlich nur dann augenscheinlich, wenn ich mit relativ offener Blende fotografiere, also viel Unschärfe und wenig Schärfe habe. Dann kann ich den je nach Blendenöffnung kleinen bis winzig kleinen Punkt ein wenig in die richtige Richtung rücken oder wahlweise das Bokeh verschieben. Aber eben nur wahlweise. Beides zugleich geht nicht.

So interessant die Dual Pixel RAWs an sich sind, so groß sind sie allerdings auch. Mit zwischen 60 und 80 MB muss man locker pro Datei rechnen. Damit kommen sie fast an die Bilder aus der 5Ds heran. Die Datenmengen an sich sind nicht dramatisch, die Größe gilt es dennoch zu bedenken, denn eine Speicherkarte ist schnell voll. Und dann steht man da im kurzen Hemd.

Erstaunlich flott!

Mit 7 RAWs pro Sekunde ist die Mark IV erstaunlich flott. Wer nicht ständig und immer Sport fotografiert, ist mit ihrem Tempo bestens bedient und so ziemlich jeder Situation gewachsen. Bedenkt man die Größe der einzelnen Dateien, ist das eine reife Leistung. Ich habe ja den Vergleich zur 5Ds, die nicht selten mit Dateien um 100 MB klarkommen muss, und der 1D X Mark II. (Das klappt natürlich nur mit Speicherkarten ab etwa 160 MB/s aufwärts.)

Silvester – mit der Canon EOS 5D Mark IV und dem Canon EF 85mm 1:1,2L II USM, 1/8 sek., ISO 160, f/4,0, den Link zu allen weiteren Fotos von Silvester findet ihr im Text.

Nur ein kurzer Überblick

Im Grunde ist das hier nur ein Kurztest, denn ich hatte die Kamera gerade mal etwas über zwei Wochen hier. In die ganz tiefen Tiefen bin ich also nicht vorgedrungen. Aber ich war fast jeden Tag mit ihr und dem 85mm 1:1,2L unterwegs. Sowohl als Begleitung der beiden Whippets, als auch Silvester hat sie eine unglaublich gute Figur gemacht. Bedienung, ISO-Verhalten (in der Galerie unten), Auflösung, Tempo – sie deckt souverän alles ab, was der Allrounder braucht. Was kann man mehr fordern? Außer, dass die Autorin nicht die SD-Karte verbummelt, auf dem die Fotos von der Kamera selbst und den Menüeinstellungen sind, die sie besonders erwähnenswert fand. Sorry, sie ist weg und nicht mehr auffindbar. Aber über Feinabstimmungen und die vielen weiteren Features könnt ihr wie immer auf den einschlägigen Seiten nachlesen (der Test beim Traumflieger geht wieder bis ins allerletzte Detail).

Sehr empfehlenswert

Meine Leser wissen, dass ich niemals leichtfertig eine Kamera empfehle und immer klarstelle, für welchen Bedarf sie geeignet ist oder auch nicht. Doch selbst wenn Canon mit der 5D Mark IV mal wieder die Profis adressiert, nehme der ambitionierte Amateur, der ohnehin Canon Objektive hat und eine neue Vollformatkamera sucht, jetzt bitte 3.600 Euro für den aktuellen Straßenpreis in die Hand und leiste sich dieses Schätzchen. Oder spart darauf, denn das ist wirklich verdammt viel Geld. So viele Möglichkeiten in dieser Qualität in einem Paket muss man erst einmal finden.

Hier noch ein paar Keyfacts zur Canon EOS 5D Mark IV:

Typ – Digitale Vollformat Spiegelreflexkamera
Zielgruppe – Profis /anspruchsvolle Amateure
Best for – Studio / Landschaft / Makrofotografie/ Portrait /Architektur / Reportage
Gewicht– etwa 800 Gramm
Sensor – MP-CMOS-Sensor, 36 x 24 mm
Pixel effektiv – 30,4 MP
Bildprozessor – Digic 6 +
Autofokus  – 61 AF-Felder / 21 Kreuzsensoren (alle individuell auswählbar)
Movie: – 4K EOS Movie, Full HD
ISO-Empfindlichkeit – 100 – 32.000
Reihenaufnahmen – max. ca. 7 B/s bei AE
Touchscreen – 3,2 Zoll, ca. 1.620.000 Bildpunkte
Kartenschächte – 1 x Compact Flash, 1 x SD
Connectivity – GPS, WLAN mit NCF, USB 3.0
Best with – Weitwinkel, Portraitobjektive, Makro, kürzere Sportobjektive
My two cent – Eine super Allroundkamera für ganz hohe Ansprüche

Preis: aktuell rund 3.600,- Euro

 

1 Kommentar

  1. Pingback: Test: Spiegellos glücklich? Die Canon EOS M5 - Doctor Speed

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